Austausch 2015

Bericht Austausch 2015 (Erlangen) von Simon Magiera 9a

England X-Change 2015

Seit über 40 Jahren pflegen das GFE und die Highsted Grammar School (http://www.highsted.kent.sch.uk/home/) in Sittingbourne (etwa 60.000 Einwohner; 60 Kilometer östlich von London in der Grafschaft Kent gelegen) den jährlichen Austausch in der 9. Jahrgangsstufe.
Am 15. Juli 2015 starteten 35 Schülerinnen und Schüler mit ihren „Reiseleitern“, Frau Thalhammer, Herrn Mahnke und Herrn Schlichting, zum Flughafen nach München, um von dort nach Heathrow zu gelangen. Mit dem Bus ging es nach Sittingbourne, wo wir unseren Austauschpartnerinnen wieder begegneten. Der Abend blieb für das Einleben in die Gastfamilie, um erstes britisches Dinner zu erleben und in Augenschein zu nehmen, wie britische Familien so leben.
Der nächste Tag war für einen Ausflug nach Canterbury reserviert, das wir per Bahn rasch erreichten. Die eindrucksvolle Kathedrale, Sitz des Erzbischofs-Primas, dem geistlichen Oberhaupt der Church of England, war leider durch Abschlussfeiern der örtlichen University of Kent belegt. Ihre große Bedeutung entspringt auch dem Mord an Erzbischof Thomas Becket im Jahre 1170: Vier Ritter des Königs hatten ihn nach jahrelangen Auseinandersetzungen zwischen Krone und Kirche im Inneren der Kathedrale erschlagen. Sein längst verschwundener Schrein war bis zur Reformation das Ziel Tausender von Wallfahrern, etwa des mittelalterlichen Dichters Geoffrey Chaucer, der seine Canterbury Tales 1387 schrieb.

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Die Erzählungen sind in eine Rahmenhandlung eingebunden, die von einer dreißigköpfigen Pilgergruppe handelt, die sich im 14. Jahrhundert auf ihren Weg von London nach Canterbury zum Grabmal von Thomas Becket macht. Im Mittelenglischen liest sich das in etwa so:

And specially from every shires ende
Of Engelond, to Caunterbury they wende,
The hooly blisful martir for to seke
That hem hath holpen, whan that they were seeke.

Die Themen der Geschichten, welche abwechselnd als Romanzen, Predigten und Fabeln daher kommen, handeln von höfischer Liebe, Verrat und Habsucht. Im Museum der Canterbury Tales konnten wir uns den Pilgern anschließen und über Audioguide fünf der Geschichten in unterschiedlichen Räumen leibhaftig miterleben.
Ab 43 n. Chr. entstand das römische Durovernum Cantiacorum (römisch: duro = „Fort“, verno = „Sumpf“), das sich zu einem Verwaltungszentrum entwickelte und das größte Amphitheater Britanniens besaß – also ist Canterbury auch für Altsprachler ein passender Ort. Per Ruderboot auf dem Fluss Stour, gut unterhalten und informiert von studentischen guides, wie auch individuell zu Fuß, erkundeten wir das reizvolle Gebiet innerhalb der historischen Stadtmauer von Canterbury und stellten erfreut fest, dass Primark und KFC auch dort inzwischen angekommen sind.
Auf den nächsten Tag haben sich viele am meisten gefreut: London. Pünktlich um 11 Uhr standen wir vor dem Buckingham Palace, so dass wir die Wachablösung beobachten konnten. Dann liefen wir auf die Westminster Bridge. Dort gab es von unseren Englischlehrern Hintergrundwissen zum Big Ben und den Houses of Parliament. Eine Bootfahrt auf dem River Thames zum Tower of London und der Tower Bridge wie auch ein Besuch im Museum of London rundete das klassische Sightseeing-Programm ab. Die letzte Attraktion stellte der Besuch DER Shoppingmeile in London dar, der Oxford Street, welche wir per tube erreichten. Nach mehr als neun Stunden London brachte uns der Zug dann um viele Eindrücke reicher nach Sittingbourne zurück

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Am Wochenende unternahmen wir mit den Gasteltern Fahrten nach London, Strandspaziergänge oder Ausflüge in der Nähe. Am Montag ging es nach Margate, einer klasssichen seaside town am Meer.

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Ihrem morbiden Charme konnten wir im Freizeitpark Dreamland nachfühlen: Zu einer Zeit, bevor billige Pauschalreisen in den Süden für die Massen möglich waren, stellten die Seebäder für alle englischen Schichten jene Orte dar, an denen man am Wochenende oder in den Ferien Erholung und Vergnügen suchte. Dreamland war einer der theme parks, die direkt in Strandnähe entstanden und in den 1960er und 1970er Jahren die Massen anzogen, bis er – etwas heruntergekommen – 2005 schließen musste. Inzwischen gibt es ihn wieder, wobei das Konzept ist, alte Fahrgeschäfte zu sammeln und betriebsfähig zu erhalten. Zusammen mit den englischen Partnerinnen erlebten wir einen vergnüglichen Tag am Meer. Nachdem Paula und Tabita aus der Wilden Maus befreit waren, ging es mit überdimensionierten Stofftieren als Gewinn beim Entchenangeln und Korbwerfen zurück zum Bahnhof.

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Am Dienstag konnten wir uns dann ein eigenes Bild vom britischen Schulleben machen, denn wir verbrachten den Vormittag an der Highsted Grammar School. Er begann zunächst mit der registration und einer assembly, anschließend wurden wir in den periods 1 und 2 auf verschiedenen Gruppen verteilt, um den Unterricht hautnah mitzuerleben. So konnten wir Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu unserem Schulalltag hautnah miterleben. Später ging es nach Rochester, um die Burg und die Kathedrale zu besichtigen und die High Street einer typischen Marktstadt zu erkunden. Zurück an der Schule wartete der afternoon tea auf uns, der zugleich eine Art farewell party war.

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Nach einer Woche England – bei bestem Wetter - mussten wir uns am nächsten Morgen schweren Herzens von unseren Gastschülerinnen verabschieden. Überwältigt von den vielen Eindrücken bestiegen wir den Flieger, der uns zurück in die Heimat brachte.

Text und Fotos: Rainer Schlichting