Evangelische Religionslehre

Das Selbstverständnis des Faches

  • Kommunikation mit der christlichen Tradition in der gegenwärtigen Welt
  • Konfessionelle Deutlichkeit und ökumenische Offenheit
  • Von Kirche und Staat gemeinsam verantwortet

Ziele

  • Information und Orientierung über Tradition, Kirche in Geschichte und Gegenwart, religiöse, philosophische und außerchristliche Deutungen
  • Perspektiven für die eigene Orientierung
  • Lebenshilfe und Begleitung (Innehalten und Feiern, Gebet und Gottesdienste, soziales Lernen, Toleranz und Empathie)
  • Wege zum Glauben eröffnen​

Beitrag des Faches zur gymnasialen Bildung und Persönlichkeitsentwicklung

  • Religiöse Dimension der Wirklichkeit erschließen
  • Biblisches Verständnis von Gott, Mensch und Welt
  • Begleitung beim Erwachsenwerden
  • Förderung der Studierfähigkeit durch Differenzierung und Kritik sowie Methodenkompetenz
  • Erwerb von religiösen Kompetenzen im Bereich von Ritualen, Kultur, Ethik, Politik und Ästhetik

Zusammenarbeit mit anderen Fächern

  • Ökumenische Kooperation und Gesprächsfähigkeit
  • Interdisziplinärer, interkultureller und interreligiöser Dialog
  • Ganzheitliches Lernen durch Exkursionen, Projekte, Expertenbefragung, Medienpädagogik und Besinnungstage

Ein ausführliche Fassung des Selbstverständnisses des Faches findet sich unter www.isb-gym8-lehrplan.de!

Regelmäßige Gottesdienste

  • Zum Beginn des Schuljahres: am ersten Schultag um 8.00 Uhr in der Thomaskirche
  • Adventsandacht der SMV (nach besonderer Einladung)
  • Vokatio-Gottesdienst für das Studienseminar mit dem Regionalbischof (Ende Januar, nach besonderer Einladung)
  • Passionsgottesdienst: am letzten Schultag vor den Osterferien um 8.00 Uhr in St. Sebald
  • Abiturgottesdienst am Tag der Zeugnisausgabe (letzter Freitag im Juni) in der Thomaskirche
  • Zum Ende des Schuljahres: am letzten Schultag um 8.30 Uhr in der Aula

Alle Gottesdienste finden in ökumenischer Kooperation statt. Herzliche Einladung ergeht an alle Eltern und Verwandten, Lehrenden und Lernenden.

Religiöses Leben

„Steigende Jugendkriminalität!“, „Komasaufen Jugendlicher!“, „Werteverlust!“ sind Schlagzeilen, die den Ruf von Politikern und Eltern nach gesteigerter Werteerziehung an der Schule, speziell im Religionsunterricht, evozieren. Aber kann der Religionsunterricht diesem Anspruch gerecht werden?
„Die verfluchte Bildung hat alles natürliche Urteil verdorben, jeder quatscht nach.“ klagte Theodor Fontane und geißelte ein Bildungsideal, das ein enzyklopädisches Anhäufen von Wissen propagierte. Wissen allein macht jedoch – auch heute – keine umfassende, ganzheitliche Bildung aus. Die Denkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) mit dem Titel „Maße des Menschlichen“ führt dazu aus:
„Wissen als äußere Beherrschung von Mitteln ermöglicht noch nicht verantwortungs-bewusstes Handeln. Erst Bildung als Wertbewusstsein in der Einschätzung der für das Überleben und gute Leben notwendigen Zwecke begründet vernünftige Mittel- und Ressourcenverwendung. Die alte Unterscheidung zwischen Wissen und Weisheit ist heute mehr denn je notwendig. Bildung meint den Zusammenhang von Lernen, Wissen, Können, Wertbewusstsein und Handeln im Horizont sinnstiftender Lebensdeutungen.“
Blickt man auf das Schuljahr 2007/2008 zurück, so wird schnell klar, dass wir diesem hehren Anspruch nur in kleinen Ansätzen nachkommen konnten. Aber wir haben es probiert. Vom Personal her waren wir in evang. Religionslehre hervorragend ausgestattet: Frau Pfeifenberger und Herr Mühlrath wurden effizient von den sieben Mitgliedern des Studienseminars 06/08 unterstützt, die im 1.Halbjahr eigen-verantwortlichen Unterricht erteilten. Die Lücke, die deren Weggang riss, konnte durch Frau Graf (bis zu ihrem Mutterschutz) und Herrn Mattner ausgeglichen werden, so dass der Einsatz von Herrn Dr.Holzhausen, der in den alten Sprachen dringend gebraucht wurde, gar nicht erforderlich war. Erfreulicherweise hat Herr Pfarrer Zettelmayer Herrn Wachter in kath. Religionslehre tatkräftig in zwei Klassen mit vier Stunden unterstützt.
Über den Unterricht hinaus dienten Exkursionen zur Erlanger Moschee und Synagoge einem vertieften Verständnis des Islam und des Judentums. Frau Pfeifenberger referierte in der Fachsitzung über ihre Eindrücke von einem Besuch in der Shoa-Gedenktstätte Yad Vashem und stellte Literatur vor, welche den Holocaust jugendgemäß aufarbeitet. Mit Unterstützung durch den Elternbeirat konnten wir den Maus-Comic von Art Spiegelman als halben Klassensatz anschaffen, der die Bewältigung der Deportationserfahrungen im Genre des Comics eindrucksvoll und schülernah gestaltet.
Die 10. Klassen probten auf Besinnungstagen in Stierhöfstetten Begegnungen mit sich, in der Gruppe und mit Gott. In großer Offenheit wurden Probleme im Klassenverband angesprochen, auf roten Kärtchen notiert und durch grüne ergänzt, welche Positiva im Zusammenleben hervorhoben. Gelbe Kärtchen enthielten Möglichkeiten der Abhilfe und Weiterarbeit. So zeigten am Schluss die Ampelfarben an, wie das Klassenklima verbessert werden könnte. Im Mittelpunkt der Meditationen, die mit Konzentration angenommen wurden, standen die „Perlen des Glaubens“, die Grundlage der Gespräche waren und als Armband mit nach Hause genommen werden konnten. Am Ende der drei Tage mündeten die Aktivitäten in einen Gottesdienst, der von allen Teilnehmern mitgestaltet wurde. Ebenfalls in dieser Jahrgangsstufe hatten wir Mitglieder des Hospizvereins zu Gast, die von ihrer segensreichen Arbeit erzählten.
Ansonsten fanden die ökumenischen Schulgottesdienste zu den bewährten Terminen statt: zum Schuljahresanfang in der Thomaskirche, zur Passion in St.Sebald und am Ende des Schuljahres in der Aula. Auf Weihnachten bereiteten wir uns durch vier Adventsandachten vor Schulbeginn im Musiksaal vor. Die SMV lud zu einer Andacht in der Thomaskirche und zur Weihnachtsfeier in der Aula ein.
Dass Religionslehre bei Schülerinnen und Schülern gut akzeptiert wird, belegen die geringen Abmeldungen und die Wahl als Abiturfach. Elf legten schriftliches Abitur und drei das Colloquium in Religionslehre ab.

StD Hubert Mühlrath/OStR Martin Wachter